Die Ausgangssituation war diese:
Die Zielsetzung für mein erstes richtiges Teleskopbauprojekt war den sperrigen Tubus und Rockerbox auf möglichst kompakte Packmaße zu reduzieren. Eine kleine Kiste und ein Transportbehälter für die Stangen sollte reichen!
Werkzeugmäßig habe ich mich auf eine minimale Standardausrüstung beschränken müssen und auch können: Stichsäge, Bohrmaschine mit Bohrständer, Schraubstock.
Dass die Vorgabe erreicht wurde sieht man im Reisemodus:
Dann wollen wir mal aufbauen...! Kiste aufmachen
und das Basisdreieck herausholen. Es ist massiv aus einer 12 mm Multiplex-Platte herausgesägt. Die Führung der Rockerbox wird über die Kugellager realisiert. Dazu ist die Rockerbox mit einem großen Kreisausschnitt versehen (siehe unten). Hier muß man scheinbar nicht besonders akurat sägen, ist zumindest bei mir so und ich habe bislang keine Ruckler im Aziumut bemerken können. Die Löchlein sind zur Aufnahme der Schrauben für die Höhenräder beim Transport.
So, dann setzten wir mal die Rockerbox (= Deckel von der Kiste) drauf:
Die Rockerbox besteht aus großzügig ausgesägtem 20 mm Multiplex Seiten und 12 mm Vorder und Rückseite. Hier wäre sicherlich noch etwas Sparpotential, die 20 mm habe ich aber wegen den gleich breiten Höhenrädern verwendet. Damit die Rockerbox auch als Deckel funktionieren kann, ist noch eine 3mm dünne Sperrholzplatte über das Loch gelegt. Zur Kontrolle nochmal umdrehen:
Hier läuft also Teflon auf Ebony, nichts spannendes... Die Füsschen sind, wie nahezu alles, was an dem Teleskop aus Holz ist, aus Multiplex.
Die Spiegelzelle habe ich vom GSO einfach übernommen, hier wäre sicherlich reichlich Gewichtstuning möglich.
So, jetzt kommen die 15x1 mm Alustangen zum Zuge, die werden in die Halterungen in der Spiegelbox gesteckt und dann mit den Fahrradschnellspannern die wiederum ein gebogenes Alublech bewegen geklemmt. Das funktioniert sehr gut und hält bombig stabil. Der (fertige) Tubus läßt sich dann ohne Bedenken an den Stangen hochheben und herumtragen.
Wenn dann alle 8 Stangen in der Spiegelbox stecken kommt der Hut drauf. Den hatte ich zuerst praktisch gleich geklemmt wie unten die Spiegelbox. Das hat sich aber nicht als justierstabil erwiesen. Jetzt habe ich die Stangen oben paarweise verschraubt und die Bleche mit einem offenen Langloch versehen. Das wird dann wieder mit Schnellspannern geklemmt. Das kann manchmal etwas fummelig werden, bis man alle 4 Stangenpaare drin hat aber es ist noch erträglich.
Wenn das dann steht wird der Okularauszug richtig herum eingesetzt. Es ist ein KineOptics HC-2 Auszug auf einem 9mm Brettchen. Dieses wird zwischen zwei U-Profile geschoben und mit zwei Schrauben an den zusätzlichen Verstebungen fixiert. Die Verstebungen sind notwendig, das sich sonst der OAZ bei Last etwas zur Teleskopachse neigt. Die Fotos wurden noch im unlakierten Zustand gemacht, man sieht etwas mehr als bei Schwarz in Schwarz :) Zusehen ist hier auch noch die alte Klemmung.
An der Stelle noch einige Bemerkungen zum Hut: Den Ring für den Hut und auch die Höhenräder habe ich aus Aluminium-Vierkantrohren gebogen. Ich versuchte zuerst ein 15x15x1 mm Rohr für den Hut. Beim 10" sind die Biegeradien aber schon zu klein. Also bin ich schließlich bei 10x20x1,5 mm gelandet, was sich ohne Probleme biegen läßt. Gebogen wird mit Hartholz-Schablonen und einem Schraubstock. Der Rest ist pure Gewalt :) Eine genauere Beschreibung der Methode gibt es hier: Bending aluminium.
Die Fangspiegelspinne besteht aus 0,3 mm Messingblech. Am Hut habe ich dies mit kurzen Gewindestangen befestigt, deren Gewinde auf 5 mm an einer Seite flach gefeilt wurde. Darin habe ich dann kleine M3 Gewinde geschnitten und mit einer kleinen Schraube fixiert. Das ist mir bedeutend sympatischer als die üblichen Lösungen mit Löten. Ansonsten habe ich die Fangspiegelhalterung meines GSO verwendet.
Dann wird es langsam Zeit für die Höhenräder an die Spiegelbox geschraubt zu werden. Für die beiden Höhenräder habe ich einen reichlichen Vollkreis gebogen und dann geteilt. Anfangs waren die Bögen noch nicht exakt gleich und unterschieden sich um einige wenige Millimeter. Mit etwas Geduld und Feintuning sind sie jetzt aber auf +/- 0,5 mm exakt gleich geworden. Damit das so bleibt haben die Räder noch eine Strebe bekommen, die mit Alublech und Blechschrauben montiert wurden.
Das Alu der Höhenräder läuft auf dem Teflon butterweich und wahrscheinlich auch mit höheren Haltemomenten, als wenn ich auch hier Ebony verwendet hätte.
Nun noch den Sucher draufstecken und fertig steht das Teleskop.